5.12. 2008 Die Finanzkrise als Chance zur Gesundung des Geldwesen
Am Freitag, 5. 12. 2008 hielt der Unternehmensberater Udo Hermannstorfer (CH) ein abendfüllendes Seminar zur Finanzkrise als Chance zu Gesundung des Geldwesens. Veranstalterin war die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland-Zweig Karlsruhe.
Zunächst erläuterte Herr Hermannstorfer, die Enstehung des Geldes. Vor der Einführung des Geldes wurden Waren getauscht. Leistung und Verbrauch standen in einer direkten Beziehung. Durch die Trennung von Leistung und direktem Verbrauch wurde ein abstraktes Tauschmittel geschaffen: Das Geld. Derzeit wird in Deutschland nicht alles Geld von den Privatpersonen ausgegeben, die Sparquote liegt bei ca. 11%. Über die Jahre hat sich dadurch ein Geld- See von mehreren Billionen Euro angehäuft. Dieses Geld, das zumeist die Banken verwalten, wird nun anderen Menschen wieder zu Verfügung gestellt. Dies sind entweder Konsumenten, die ihren Konsum befriedigen wollen, bevor Sie über das notwendige Kapital verfügen. Dies geschieht z. B. durch Kreditkarten, verbunden mit der Gefahr der Überschuldung.
Auf der anderen Seite sind die Anspruchnehmer des Geldes, Unternehmer, die eine Geschäftsidee verwirklichen möchten und hierzu das nötige Kapital benötigen um damit neue Werte, Produkte (Konsumgüter) zu schaffen. Der Bankier ist also im eigentlichen Sinne Treuhänder. Er verwaltet das Geld, das er von den Sparern zu Verfügung gestellt bekommt, indem er es gegen Zinsen an Konsumenten oder Unternehmer ausleiht. Er benötigt hierbei eine umfassende Menschenkenntnis, denn der Unternehmer, dem er das Geld leiht, investiert in die Zukunft, in der Hoffnung, dass sich seine Geschäftsidee bewährt, auf ein Bedürfnis oder Bedarf trifft.
In den vergangen Jahrzehnten, hatten dies Bankiers Kredite zu verwalten mit unterschiedlichen Risiken zum gleichen Zinssatz. Durch das Bankabkommen “Basel 2″ wurden die Kreditnehmer in sieben Kategorien eingeteilt. D. h. die Kredite für Kreditnehmer mit einem schlechten Rating wurden teuerer (höhere Zinsen). Dies war nach Herrmannstorffer ein gravierender Einschnitt in die Bankkultur. War bisher der Kreditpool einer Bank eine Art Solidargemeinschaft, in denen alle den gleichen Zins zahlten, wenn Sie Geld leihen wollten, ist es nun so, dass gewisse Gewerbe, zum Beispiel Landwirte, höhere Zinsen zu zahlen haben. Der nächste Veränderung in der Bankkultur ist, dass es inzwischen Banken gibt, die das Kreditgeschäft nicht mehr als ihr Aufgabe betrachten, sondern lieber mit dem Geld ihrer Kunden spekulieren, da hier die Renditen höher sein können. Dies führte zu derzeitigen Bankenkrise: Kredite, die mit einem hohem Ausfallrisiko behaftet sind, aber einen hohen Zinsertrag erwarten ließen, wurden von den Banken ausgelagert, an Tochtergesellschaften, die nicht unter das Bankenaufsichtsgesetz fallen. Diese Tochtergesellschaften schnürten mit diesen schlechten Krediten Bündel, Papiere, die andere (Banken und Bankkunden) wiederum kaufen konnten, in der Hoffnung, sie eines Tages gewinnbringend zu verkaufen.
Nun erfüllten sich die Erwartungen nicht. Die Hausbauer und Kreditnehmer in den USA konnten die steigenden, variablen Zinsen nicht mehr zurückzahlen – sie mussten ihre Immobilie verkaufen. Da aber dies gleichzeitig viele Immobilienbesitzer traf, fielen in Folge die Immobilienpreise durch ein Überangebot. Derzeit stehen in den USA drei Millionen Häuser zum Verkauf an. Die Banken, die bereitwillig und mit hohem Risiko, das Geld ihrer Kunden ausgeliehen hatten, konnten nun selbst ihre Kunden nicht mehr mit Zinsen, bzw. Gewinnen bedienen. Der Finanzmarkt kollabierte.
Was kann aus der Finanzkrise gelernt werden?
Die Banken müssten ein neues Selbstverständnis entwickeln, dass Sie nicht die Aufgabe haben, ihren Gewinn, wie ein Wirtschaftsunternehmen zu maximieren. Vielmehr sollte der Bankier, die Aufgabe ergreifen, Initiativen und Gründungen zu ermöglichen. Hier muss er abwägen, inwieweit der Geldrückfluss gewährleistet sein kann. Ferner wäre darüber nachzudenken, wie die Zinsen, wieder für alle, im Sinne einer Solidargemeinschaft gleich sein können (so war es ja auch einmal). Ferner könnte überlegt werden, wie aus diesem Finanzpool auch Initiativen gefördert werden könnten, die im kulturellen Bereich liegen, d.h. mit einer Rückzahlung nicht zu rechnen ist. Dies wäre das Schenkungsgeld, das sozial fruchtbar wirken könnte und letztlich das Überangebot an Geld reduziert.
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