10.03.2009 Krise der Gegenwart–Aufgabe für die Zukunft
90 Jahre Sozialimpuls Rudolf Steiners
So wie bisher kann es nicht weitergehen! Darin stimmen Bürger, Politiker und
Manager überein. Aber bei der Beantwortung der Frage: „Was ist die Ursache
der gegenwärtigen Misere und was ist zu tun?“ gehen die Meinungen gewaltig
auseinander.
Situationsbeschreibung:
Die Wertpapierbesitzer, egal ob Banken, private Anleger oder Investmentfonds
stellen beim Blick auf ihren Kontoauszug fest, dass ihr Vermögen sich in
wenigen Monaten halbiert hat oder im schlimmeren Fall zu einem existenzbedrohenden
Verlust geworden ist. Was ist geschehen? Es sind oft keine realen
Werte verloren gegangen. Die reale Lebensgrundlage wurde nicht angetastet.
Das Einzige ist, dass Werte, die es nie real gab, jetzt auch aus den Kontoauszügen
gestrichen wurden. Illusionen sind geplatzt. Der gesunde Menschenverstand
konnte erkennen, dass es doch nicht sein kann, dass der Wert der
Güter dieser Welt sich innerhalb von wenigen Jahren verdoppelt oder je nach
Segment verzehnfacht hat. Aber der Glaube, dass die Entwicklung des Aktienindexes
Dax von 2200 Punkten im März 2003 auf 8100 im Juli 2007 dank der
kreativen Leistung der Finanzjongleure wohl begründet und durchaus in
Ordnung ist, bedeutet nichts anderes als dass Experten und einfache Geldanleger
dieser falschen Hoffnung verfallen sind.
Die führenden Fondsmanager wurden durch ihre exorbitanten Boni geblendet
und von anderen beneidet und immer weniger Menschen wollten bei dieser
Rallye nur zuschauen. Viele versuchten auf diesem Wege des eigenen Glückes
Schmied zu werden.
Und nun plötzlich die Wende:
Die Blase ist geplatzt und die Banken müssen die Luft aus den Werten nehmen
mit der Gefahr, vor Schreck zu übertreiben. Man sagt: „Vertrauenskrise“. Aber
vielleicht könnte es ein Erkenntnisschritt werden? Was bedeutet der Ruf nach
dem Staat, nach der Gemeinschaft? Wird da nicht deutlich, dass vor allem
Solidarität, Füreinander-Einstehen die Haltung ist, mit der eine fruchtbare
Entwicklung der Menschheit gewährleistet werden kann. Es zeigt sich: alle
gehen unter, wenn jeder nur an sich denkt. Dabei geht es offensichtlich nicht
mehr darum ob der Kommunismus oder der Kapitalismus siegt, sondern welche
der zwei kapitalistischen Varianten: eine demokratisch-freiheitliche oder eine
autoritär-staatskapitalistische sich durchsetzt. Dies wird aber nicht ausreichen.
Wir brauchen einen neuen Ansatz.
Die Grundhaltung der Solidarität und Verantwortung ist nicht nur reiner Altruismus,
sondern leitet sich aus sozialer Vernunft ab, aus der Einsicht, dass mein
Wohlbefinden ganz wesentlich von der Anerkennung anderer abhängig ist und
dass Gegenwart und Zukunft nur im Miteinander lebbar sind. Es ist bemerkenswert,
dass „ethische Geldanlagen“ wie sie die GLS-Bank pflegt, in Krisenzeiten
eine Insel der Stabilität sind.
Wir sind wachgerüttelt und es besteht die Chance, dass die Weltgemeinschaft
und jeder Einzelne bemerken, dass Schritte in die richtige Richtung eingeleitet
und unterstützt werden müssen.
Dies würde z. B. bedeuten:
- Strukturen und Gesetze entwickeln, die nicht die Gier der Menschen sondern
eine Werteentwicklung entsprechend der realen Wertsteigerung fördern
- die autentischen Bedürfnisse der Weltbevölkerung erfüllen; ohne Bevormundung,
- sich auf die kleinen überschaubaren Märkte konzentrieren, faire Preise
bezahlen und die Arbeit der Mitmenschen wertschätzen
- Verantwortung für Mitarbeiter, Geschäftspartner und Konsumenten leben.
Wie können wir diesen Zielen näher kommen?
Rudolf Steiner hat vor 90 Jahren mit seinen Gedanken zur Sozialen Dreigliederung
Anregungen gegeben, die auch in der aktuellen Situation hilfreich sein
können. Er fordert uns auf, mutig an die Gestaltung der Zukunft der
Gesellschaft zu gehen und rüstet uns aus, nicht mit Rezepten, sondern mit einer
„Richtkraft für Lösungsversuche“. Der Arbeitskreis „Soziale Dreigliederung“,
der sich jeden Monat in der Michaelkirche in Göppingen trifft, will mit mehreren Vorträgen und Aktionen die Thematik aufgreifen und Initiativen und Mitarbeit im AK anregen:
- So wird das Credo des bedingungslosen Wettbewerbs hinterfragt (20.2.) und
untersucht, welche Aufgaben das Geld im Wirtschaftkreislauf eigentlich hat (27.3.).
- Der 80-minütige Film „Grundeinkommen“ am 15.3. ist nicht nur wegen
der voraussichtlich steigenden Arbeitslosigkeit interessant.
- Am 2.5. wird der Blick auf die „Neue Generation der 60 bis 90-jährigen“
gerichtet.
- Die Fotoinstallation vom 20. Juni bis 28. Juli zeigt Bildwelten aufgenommen
von Jugendlichen ab 13 Jahren in ihrem Lebensbereich, dem Millieu der
Favelas, in Buenos Aires. Ihre kreative Sichtweise offenbart Licht in den
Bildern der Nacht, Menschenwürde.
- Mit Christian Hiß von der Regionalwert AG stellen wir am 11.7. die Frage
nach der Bedeutung und den Chancen für neue Formen der Hofgemeinschaft
als Beitrag zur Sicherung einer gesunden Ernährung.
- Zum Schluss wollen wir uns mit den Eltern und Lehrern der Freien
Waldorfschule Filstal dem „freien Geistesleben“, als dem eigentlichen
Impulsgeber für eine Umgestaltung der gegenwärtigen Verhältnisse
zuwenden.
Wer an diesen Fragen mitarbeiten will, ist herzlich eingeladen
Gebhard Rehm, Felsenstraße 5, 73337 Bad Überkingen
ARBEITSKREISE FÜR DREIGLIEDERUNG DES SOZIALEN ORGANISMUS:
Michael-Kirche · Christian-Grüninger-Str. 9 · 73035 Göppingen
Treffpunkt: donnerstags um 19 h
Kontakt: Th. Kroehnert, Tel. 07161-9569633
Im Neubau der Freien Waldorfschule Winterbach
Treffpunkt: dienstags um 20 h
Eberhard Bartsch, Tel. 07181/89232
Peter Bone, Tel. 07153/41965, E-Mail: Peter-Bone@web.de
www.dreigliederung.de