Forum Anthroposophie Berichte

Berichte aus dem Kultur-, Rechts- und Wirtschaftsleben

Was geht hier eigentlich vor?

Ein Auszug aus dem Interview „Vier Fragen zur Eurokrise an
Stephan Eisenhut. gestellt von Andreas Neider, veröffentlicht in „Mitteilungen
Anthroposophie weltweit“, Ausgabe 11/2011“:
Mittlerweile fragen sich wohl zunehmend mehr europäische Bürger,
was in Europa und der so genannten Eurozone eigentlich los ist. Wer
ist eigentlich verantwortlich für das, was sich da, scheinbar ohne
unser aller Zutun, gerade ereignet? Die Redaktion der Mitteilungen
stellte Fragen an den Volkswirt Stephan Eisenhut.

Das komplette Interview finden Sie  hier.

Frage: Trägt Deutschland nicht Mitschuld an der stümperhaften
Einführung des Euro als europäischer Einheitswährung? Hätte man
damals nicht viel strengere Kriterien bei dessen Einführung walten
lassen müssen?

St.E.: Die Einführung einer europäischen Einheitswährung war ja
keine deutsche Idee, sondern es war das der Preis, den Helmut Kohl
für die deutsche Einheit vordergründig gewissermaßen an Frankreich
zu zahlen hatte. Mitterand hatte die Einführung des Euro zur
Bedingung für die Zustimmung zur Wiedervereinigung gemacht. D.h.
der Euro ist nicht aus ernsthaften wirtschaftlichen Überlegungen,
sondern aus politisch-strategischen Überlegungen geschaffen
worden. Aus Sicht des Westens muss Deutschland so fest in Europa
eingebunden werden, dass seine Wirtschaftsmacht neutralisiert
werden kann. …
… England ist das Weltfinanzzentrum. 80% der europäischen
Hedgefonds sind in England ansässig. Man kann davon ausgehen,
dass die deutschen Banken ihr Geld an solche Finanzunternehmen
ausgeliehen haben, die damit wiederum ihre spekulativen Geschäfte
betreiben. Zeitgleich mit Einführung des Euros wurde in Deutschland
ja auch dem sog. „Rheinischen Kapitalismus“ der Garaus
gemacht. Von einer „Sozialpartnerschaft“ zwischen Arbeitgebern,
Gewerkschaften und politischen Institutionen konnte immer weniger
die Rede sein. Damit einhergeht, dass die Anteilseigner der großen
deutschen Aktiengesellschaften heute überwiegend im Ausland
ansässig sind.

Frage: Welche Möglichkeiten sehen Sie, aus der Euromisere noch
herauszukommen?

St.E.: Diese Misere kann nicht durch technische Maßnahmen
überwunden werden. Sie kann schon gar nicht durch Politiker gelöst
werden. Sie erfordert ein Bewusstsein dafür, an welche Kräfte man
im Denken anknüpft. Ein bloß technisch-organisatorisches Denken
bemerkt nicht, mit welchen Kräften es in Wirklichkeit arbeitet.
Deshalb wies Rudolf Steiner immer wieder darauf hin, dass es
nicht bloß darauf ankomme anderes zu denken, sondern anders zu
denken. Es ist möglich, ein Denken zu entwickeln, das die geistigen
Kräfte, mit denen es arbeiten muss, bewusst ergreift und erkennt.
Nur aus diesem Denken kann ein echtes freies Geistesleben
geschaffen werden. Denn es hat die Kraft, die materiell-technische
Organisation zurückzudrängen und den dadurch entstandenen
Raum auszufüllen.
Stephan Eisenhut hat in der Zeitschrift „die Drei“ im Heft 10,
Oktober 2011, eine Serie zum Nationalökonomischen Kurs Rudolf
Steiners begonnen.


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